Kundeninterview mit Alexandra Zambon, Abteilungsleiterin Personaladministration bei der Pensionskasse Züriwerk

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Die Stiftung Züriwerk ist im Kanton Zürich die grösste und vielfältigste Institution für Menschen mit Beeinträchtigung. Seit 1967 hat sie sich verpflichtet, eben diesen Menschen die Gleichberechtigung zu sichern, ihre Eigenständigkeit zu fördern, die Integration in die Gesellschaft und ihre persönliche Entwicklung zu unterstützen.

Mit Alexandra Zambon

Als erstes möchten wir uns für die sehr angenehme Zusammenarbeit in den letzten Jahren bedanken. Die Arbeit, die die Stiftung Züriwerk leistet, ist extrem wertvoll und lobenswert.

Können Sie uns etwas über Ihre tägliche Arbeit erzählen?

Mit grosser Freude und Engagement leite ich das Team der Personaladmini-stration. Dazu gehört die administrative Bearbeitung des gesamten HR Live Cycle inklusive der monatlichen Lohnverarbeitung und der Jahresendverarbeitung.

Zu meinen täglichen Aufgaben gehört die Führung des Teams. Dieses unterstütze ich sowohl fachlich als auch personell und möchte die Mitarbeitenden auch in ihrem Wissen und den Erfahrungen weiterentwickeln. Zudem bin ich verantwortlich, unsere Prozesse und Dokumente aktuell zu halten sowie arbeitsrechtliche und sozialversicherungsrelevante Änderungen in unsere Abläufe, Dokumente und Systeme einfliessen zu lassen. Auch projektbezogene Tätigkeiten gehören zu meinen Aufgaben.

Worin bestehen die Herausforderungen in Ihrem Arbeitsalltag?

Eine grosse Herausforderung ist sicher das Thema Digitalisierung, die Neuerungen im Datenschutz und im doch komplexen Gebiet des Personalwesens, mit dem Wissen immer aktuell zu bleiben. Auch unsere Ressourcen schlank und effizient einzusetzen, ist immer wieder eine Herausforderung.

An welche Meilensteine erinnern Sie sich gerne zurück?

Nun da gibt es grössere und kleinere. Ein grosser Meilenstein war sicher die Implementation des neuen ERP  (Enterprise Resource Planning-System) bei welchem ich die Teilprojektleitung für den Lohn hatte. Zudem haben wir laufend unsere Prozesse effizienter gestaltet, was teilweise die Abläufe verändert hat und aber auch die Neugestaltung von Checklisten, Formularen etc. beinhaltet.

Ein weiterer Meilenstein ist die Möglichkeit nun die Jahresenddeklarationen mit ELM (Elektronisches Lohnmeldeverfahren) zu erledigen.

Können Sie uns einen Überblick über die verschiedenen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten geben, die Ihre Institution für Menschen mit Beeinträchtigung anbietet?

Die Stiftung Züriwerk bietet Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsplätze von der Stadt Zürich bis ins Zürcher Oberland. Zum Beispiel Arbeitsplätze vom Bäcker in Wallisellen bis zum Mechanikmitarbeitenden in Bubikon oder Ausbildungsplätze im geschützten Bereich in Zürich-Altstetten, aber auch extern bei Partnerfirmen. Diese Arbeitsplätze sind sehr bedeutungsvoll und stiften Sinn. Sie ermöglichen unseren Mitarbeitenden, einen wirtschaftlichen Beitrag zur Wertschöpfung unserer Gesellschaft zu leisten.

Und unsere Wohnangebote reichen vom selbstständigen Wohnen in den eigenen vier Wänden mit punktueller Begleitung inmitten eines Zürcher-Wohnquartiers mit Familien, Wohngemeinschaften und Single-Haushalten bis zum vollbetreuten Wohnen mit Nachtwache und Tagesstruktur in einem Wohnheim auf einem Züriwerk-Areal zum Beispiel in Grüningen, Bubikon oder auch Zürich-Oerlikon. Unser Grundsatz in der Wohnbegleitung lautet: So viel Begleitung wie nötig, so wenig wie möglich.

Können Sie uns ein Beispiel für eine kreative und innovative Initiative oder Projekte nennen, die Ihre Institution durchgeführt hat, um die Lebensqualität von Menschen mit Beeinträchtigung zu verbessern?

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Innovationen im Wohnen: Am Standort Hunziker Areal in Zürich Oerlikon/Leutschenbach bietet Züriwerk in urbaner Umgebung mehrere innovative Cluster-Wohnangebote und in unmittelbarer Nähe am Hunzikerplatz Werkateliers mitten im Geschehen an. In diesem Wohnangebot, das in Zusammenarbeit mit der Wohnbaugenossenschaft «mehr als wohnen» entstandenen ist, leben Tür an Tür 40 Menschen mit verschiedensten Begleitschwerpunkten mit anderen Mieterinnen und Mietern der Genossenschaft. Eine Cluster-Wohnung besteht aus mehreren privaten Wohneinheiten mit Bad sowie mit Gemeinschaftsräumen, die unmittelbar an die Wohneinheiten anschliessen und dem soziokulturellen Austausch dienen“. So bieten sie Gemeinschaftsfläche ebenso wie Platz zum Rückzug.

Innovationen bei der Arbeit und Ausbildung: Pionierarbeit zeichnet das Angebot der Stiftung Züriwerk auf dem Gebiet der Beruflichen Integration aus. Gemeinsam mit über 160 Partnerfirmen und Kostenträgern macht es Züriwerk mit grossem Engagement von spezialisierten Job- und Ausbildungscoaches möglich, dass rund 175 Jugendliche und Erwachsene mit Beeinträchtigung im ersten Arbeitsmarkt eine Ausbildung absolvieren, oder einer bezahlten Arbeit nachgehen können.

Innovationen bei der Fortbildung: Die Begegnung mit Stress und Druck im Alltag, oder Wohnen mit dem Selbstbestimmungsgesetz sind genauso wie das Thema Geld/Lohn- und Einkommen mögliche Inhalte, mit denen sich Menschen mit Beeinträchtigung im internen Fortbildungsprogramms befassen. Die Stiftung Züriwerk bietet seit 2022 ein umfassendes Fortbildungsangebot, das auf freiwilliger Basis allen Interessierten offensteht und deren Inhalte sowohl von Menschen mit wie ohne Beeinträchtigung erarbeitet und auch vermittelt werden.

Wie kann man Züriwerk am besten unterstützen?

Die Stiftung Züriwerk finanziert sich durch Subventionen, Einnahmen von den Wohntaxen sowie aus den Erträgen der Betriebe und den jährlich generierten Spenden. Letztere zwei sind ausserordentlich wichtig für uns. Deshalb unterstützt man die Stiftung am besten mit Spendengeldern und Dienstleistungs-Aufträgen an die Produktion. Da haben wir viel zu bieten: Zum Beispiel Mechanik-Aufträge, Montage- oder Verpackungsaufgaben. Und für gewisse Unternehmen übernehmen wir den gesamten Webshop-Service vom Bestelleingang bis zum Versand des Produktes.

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Wie kann man die Jungen dazu bewegen, sich mehr mit der Pensionskasse auseinander zu setzten? Vor allem in Anbetracht der Abstimmung, welche ja die Jungen ebenfalls betrifft.

Das ist gar nicht so einfach. Ich habe selbst zwei Söhne Anfang und Mitte Zwanzig. Mit ihnen spreche ich immer wieder über das Thema und versuche ihnen die Wichtigkeit aufzuzeigen. Ich bin da auch offen mit meiner persönlichen Situation hinsichtlich Pensionierung und was es z.B. bedeutet, dass ich Teilzeit arbeite. Zudem finde ich wichtig, dass auch junge Leute sich mit der dritten Säule oder generell mit Sparen und/oder Geldanlagen auseinandersetzen und auch ihren privaten Anteil für eine gute finanzielle Situation im Alter leisten.

Ev. könnte man die Jungen auch intern, heisst als Arbeitgeber besser informieren oder aber man bietet über den Versicherer einen Kurs an (wie z.B. auch Pensionierungsvorbereitungskurse angeboten werden).

Auch finde ich, dass die Themen Sozialversicherungen und persönliche Finanzen generell und spätestens in den Berufsschulen mehr Gewicht erhalten sollten.

Was sind Ihre Ansichten, was in der Pensionskasse reformiert werden müsste?

Meiner Meinung nach könnte man den Koordinationsabzug weglassen. Damit ist der versicherte Lohn generell höher. Zudem sollte man mit dem Sparen früher anfangen. Warum erst mit 25? Wenn man die Eintrittsschwelle erreicht und nicht in einem Lehrverhältnis ist, braucht es diese Altersschwelle nicht mehr. Zudem müsste man auch befristete Anstellungen generell berücksichtigen, genau wie bei der AHV.

In der heutigen Zeit schliessen sich viele kleine Pensionskassen einer grossen Pensionskasse an, um den administrativen Aufwand zu reduzieren und die Kosten zu senken. Züriwerk führt weiterhin eine eigene Pensionskasse, was sehr schön ist. Was sind Ihre Beweggründe, an der eigenen Stiftung festzuhalten?

In der Vorsorgewelt gilt «big is beautiful» nicht uneingeschränkt. Im Fokus steht für uns unter anderem die Nähe zu den Versicherten und auch zur Institution Züriwerk, die bei einem Anschluss an eine grosse Pensionskasse eher verloren geht. Zudem zeigen Untersuchungen, dass die Kosten – Verwaltungs- und Vermögensverwaltungskosten – bei grossen Kassen nicht à priori wesentlich tiefer sind als bei kleineren Pensionskassen. Entscheidend ist letztlich unabhängig der Grösse der Pensionskasse eine funktionierende Governance-Struktur. In diesem Sinn kann der Stiftungsrat über verschiedene Themen autonom entscheiden, von der Anlagestrategie über den Umwandlungssatz und der Verzinsung der Guthaben bis hin zu diversen externen Dienstleistern. 

Schon seit vielen Jahren darf die Firma Walser Vorsorge AG Züriwerk bezüglich seiner firmeneigenen Pensionskasse betreuen. Was schätzen Sie an dieser Zusammenarbeit?

In unserem Daily-Business ist es sehr wertvoll, dass man eine Ansprechperson hat, die die Stiftung kennt und uns bei Fragestellungen und Problemlösungen unterstützen kann.

Wir schätzen die gute Zusammenarbeit sowie die Hilfsbereitschaft und freuen uns auf die weiterhin gute Zusammenarbeit.

 

Frau Zambon, wir danken Ihnen herzlich für den Einblick in Ihr Unternehmen und wünschen Ihnen persönlich und beruflich weiterhin alles Gute.

 

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