Kundeninterview mit Fabio Niederer, Leiter Innenausbau bei OBRIST interior AG

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Die OBRIST interior AG kreiert mit über 125 Jahren Erfahrung hochwertige Interieurs im Laden- und Innenausbau. Rund 70 erfahrene Fachpersonen lassen Ideen und Wünsche der Kunden Wirklichkeit werden. Bei jedem Projekt werden edle Materialen mit Funktionalität verbunden und mit viel Hingabe hergestellt. Hier vereinen sich bestes handwerkliches Know-how und profunde Materialkenntnisse, welche besonders bei edlen Materialen entscheidend sind.
 
Können Sie uns etwas über Ihre tägliche Arbeit erzählen?

Zu meinen täglichen Aufgaben zählen die Kundenakquise, die Kalkulations- und Angebotserstellung sowie diverse Projektleitungsaufgaben; von der Massaufnahme bis hin zur Schlussbesprechung mit der Kundschaft. Ein weiterer, wesentlicher Teil des Arbeitsalltags ist die Unterstützung und das Coaching der Projektleiter/Arbeitsvorbereiter im Geschäftsbereich Innenausbau resp. «Residential».

Was waren die Meilensteine der vergangenen Jahre der OBRIST interior AG?

Ein klarer Meilenstein war der Bezug des neuen Firmengebäudes Anfang 2018 in Inwil, Kanton Luzern. Hier entwerfen, entwickeln, planen, produzieren, verpacken und koordinieren die Mitarbeitenden immer wieder neue Interieurs; dank modernster Infrastruktur noch effizienter als zuvor. Als weiteren Meilenstein der jüngsten Firmengeschichte erachte ich die Umsetzung des Bucherer-Flagshipstores «Time Machine» in New York; eines der grössten Projekte der Firmengeschichte. Vom dadurch gesteigerten Bekanntheitsgrad und dem hinzugewonnenen Know-how profitiert letztendlich die ganze Unternehmung. So können wir in allen Unternehmensbereichen auf herausragende künftige Projekte blicken.

Wo holen Sie sich die Inspiration für neue Ideen und Materialien?
  • Kreativer Pool intern
  • Aktiver Austausch untereinander bringt neue Ideen
  • Enge Zusammenarbeit mit Architekten, Innenarchitekten und Designern, somit immer die aktuellen Trends im Blick
  • Besuch von Messen in den Bereichen Design, Zukunftstrends und in der Holzverarbeitungsbranche
Wieviel wird heute noch von Hand gefertigt?

Tatsächlich sehr viel. Im Segment des hochwertigen Laden- und Innenausbaus gibt es kaum Bauteile, welche rein maschinell gefertigt werden. Richtige Handarbeit ist an allen Ecken und Enden erforderlich; sei es beim individuellen Furnieren, beim Beziehen edelster Stoffe oder beim akribischen Verpacken der Waren, bevor diese zur Baustelle transportiert werden.

Aufgrund der geopolitischen Lage verteuern sich sowohl Energie als auch Rohstoffe, beides wichtige Komponente für Ihre Arbeit. Wie gehen Sie bei der OBRIST interior AG damit um?

Davon ist leider kein Unternehmen gefeit, insbesondere, wenn selbst produziert wird. Die stellenweise stark gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten wurden anfänglich durch Obrist getragen. Heute behalten wir uns vor, unvorhersehbare Entwicklungen und daraus resultierende Mehrkosten in laufenden Projekten an die Kundschaft weiter zu verrechnen. Wichtig sind hier die vorgängige Kommunikation und Erklärung an die Kundschaft. Das schafft Verständnis und die Mehrheit unserer Vertragspartner ist sich dieser Thematik bewusst. Dieser Entwicklung können wir unser Versprechen an die Kundschaft entgegenstellen, stets das für den Kunden wirtschaftlichste Produkt zu liefern. Dies erreichen wir durch unser umfassendes Projektmanagement und unsere lösungsorientierte und vorausschauende Arbeitsweise.

Wie hat sich die Situation betreffend Rohstoffbeschaffung verändert? Bemerken Sie hier ebenfalls eine Verknappung der Rohmaterialien?

Die Verknappung der Rohmaterialien hat einen spürbaren Einfluss auf unser Schaffen. Besonders im Bereich von Metallen wie Aluminium und Messing oder beispielsweise bei Bausperrholz hatten wir mit Lieferverzögerungen und Preisanhebungen zu kämpfen. Dank der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit langjährigen Lieferanten konnten wir auftretende Herausforderungen bisher dennoch zufriedenstellend meistern. Längere Lieferzeiten erfordern aber auch eine flexiblere Planung und das Offenhalten von Alternativen. «Just-in-time»-Modelle stossen aktuell an ihre Grenzen, wodurch Pufferzonen/Lagerflächen vermehrt ein rares Gut sind.

Sie beziehen Ihre Baustoffe nur aus seriösen Quellen, wie können Sie überprüfen, ob es sich dabei um eine fachgerechte und vertrauenswürdige Produktion handelt?

Wir pflegen langjährige und partnerschaftliche Beziehungen zu unseren Lieferanten im In- und Ausland. Man kennt sich und die gegenseitigen Anforderungen. Neue Lieferanten prüfen wir daher im Hinblick auf die Produktqualität, die Liefertreue und die zugehörigen Dienstleistungen. In der heutigen, «digitalen Welt» gehören physische Lieferantenbesuche noch immer zum Tagesgeschäft.

Gewinnt das Thema «Nachhaltigkeit» auch bei Ihnen zunehmend an Gewicht?

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt im Bausektor generell stark an Bedeutung. Auch wir setzen uns damit auseinander; durch den hohen Export-Anteil wirkt dies auf den ersten Blick aber etwas gegensätzlich. Was ist also Nachhaltigkeit in unseren Geschäftsfeldern? Wir definieren unsere Nachhaltigkeit über unsere Prozesse und die daraus resultierende Produktequalität. Durch die genaue und vorausschauende Projektplanung werden Ausschuss und Leerläufe im Wertschöpfungsprozess minimiert und die realisierten Interieurs sind von überdauernder Qualität. Wir bleiben auf dem aktuellen Stand der Technik und decken beispielsweise einen Grossteil des Strombedarfs von Büro und Produktion über die hauseigene Photovoltaik-Anlage ab.

Welche hauptsächlichen Schwierigkeiten bieten sich im Alltag, um die voll integrierte Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Endkunden, oftmals über mehrere Länder hinweg, einwandfrei sicherstellen zu können?

Letztendlich steht und fällt die erfolgreiche Projektumsetzung mit einer fundierten und umfassenden Vorplanung. Eng terminierte Projekte erfordern jedoch bei allen involvierten Parteien, auch bei der Kundschaft, gezielte und schnelle Entscheidungen. Fehlen zeitnahe Entscheidungen, ziehen sich Änderungswünsche oft bis spät in den Produktionsprozess, was zu Mehrkosten und Verzögerungen führen kann. Weiter ist auch hier die Beschaffungs- und Logistiksituation herausfordernd. Die einzelnen Projektphasen lassen sich nur mit konkreten Material- und Transportlaufzeiten akkurat terminieren. Oftmals fehlen heutzutage ebendiese verlässlichen Laufzeiten.

Seit 2010 besteht ebenfalls eine Filiale in New York. Von welchen Vorteilen können Sie profitieren, wenn Sie dennoch in der CH produzieren?

Insbesondere die Administration rund um Export und Import wird durch den Firmensitz in New York vereinfacht. Zudem bietet die Filiale die Möglichkeit, in Zukunft operativ noch stärker vor Ort auftreten zu können.

Gibt es ein Projekt, welches Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist. Wenn ja, welches und wieso?

Das ist eine Frage, die sich so nicht beantworten lässt. Bei immer wieder individuellen Umsetzungen in oftmals neuen Konstellationen hat beinahe jedes Projekt einzigartigen Charakter. Was bleibt, sind neu gewonnene, wertvolle Beziehungen zu den involvierten Parteien und die Erinnerung an den realisierten Ausbau nach Abschluss der Montage.

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In der beruflichen Vorsorge werden Sie durch die teilautonome Pensionskasse Unabhängige Gemeinschaftsstiftung Zürich UGZ betreut. Was schätzen Sie an dieser Zusammenarbeit?

Wir schätzen die sehr kompetente Betreuung und transparente Kommunikation. Durch das familiäre Umfeld fühlen wir uns gut aufgehoben. Last but not least dürfen wir von einer guten Performance und einem guten Leistungsangebot profitieren.

Herr Niederer, wir danken Ihnen herzlich für den Einblick in Ihr Unternehmen und wünschen Ihnen persönlich und beruflich alles Gute.

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