Kundeninterview mit Melchior Lengsfeld, Geschäftsleiter Helvetas

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Eine Gruppe von weltoffenen, weitsichtigen und der Solidarität verpflichteten Persönlichkeiten gründeten 1955 das Schweizerische Hilfswerk für aussereuropäische Gebiete (SHAG) – die spätere Helvetas. Mittlerweile ist Helvetas eine der grössten nicht-staatlichen Entwicklungsorganisationen der Schweiz und 65-jährig. Sie engagiert sich für eine gerechte Welt, in der alle Menschen selbstbestimmt in Würde und Sicherheit leben können und die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen. Helvetas leistet in rund 30 Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa Hilfe zur Selbsthilfe und ermöglicht so echte Veränderungen.

Das Walser Vorsorge Team ist stolz darauf, die Personalvorsorgestiftung der Helvetas betreuen zu dürfen. Wo sehen Sie den Nutzen aus dieser Zusammenarbeit?

Die Walser Vorsorge stellt seit Jahren die versicherungstechnische Verwaltung und die Führung der Stiftungsbuchhaltung der Personalvorsorgestiftung der Helvetas sicher. Früher brachte Ulrich Walser seine grosse Erfahrung als Mitglied des Stiftungsrats direkt ein. Gerade für eine kleine Kasse wie die unsere ist
die enge Zusammenarbeit mit der Walser Vorsorge wichtig, um eine kompetente Führung der Personalvorsorgestiftung zu gewährleisten. Zudem reagiert die Walser Vorsorge schnell und kundenorientiert auf unsere Anliegen.

Inwiefern können Sie Ihre sozialen Werte auch in der beruflichen Vorsorge einbringen?

Mit einer massgeschneiderten Lösung bei der beruflichen Vorsorge kann den Werten von Helvetas besser Rechnung getragen werden. Unser Vorsorgereglement beinhaltet verschiedene Regelungen, die besonders sozial und familienfreundlich sind. Zudem anerkennt es in einem gewissen Rahmen die Vielfalt der heutigen Beziehungsformen. Rund um die Anlagerichtlinien ist uns wichtig, dass die Gelder nach hohen ESG-Kriterien angelegt werden. Dies wurde von unseren Mitarbeitenden explizit bestätigt. Besonders freut mich, dass viele der progressiven Regelungen, die Helvetas früh eingeführt hat, heute auch bei manch anderen Pensionskassen gelten, dass also das Verständnis für soziale Werte in der beruflichen Vorsorge gewachsen ist.

Helvetas setzt sich seit 65 Jahren im Kampf gegen Armut ein. Was waren die wichtigsten Meilensteine?

Zu Beginn ging es vor allem um Landwirtschaft: Man schickte Ingenieure und sandte Material in die Länder. Heute können wir viel stärker auf lokale Kompetenzen und Institutionen zählen. Seit Beginn ist es uns wichtig, die lokale Bevölkerung an der Projektplanung zu beteiligen. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe und Eigeninitiative. Ausbildung und Förderung des lokalen Unternehmertums sind zunehmend zentral. Konkret heisst dies, dass Helvetas beispielsweise nicht einfach Brunnen baut, sondern zuerst mit Rücksicht auf die lokalen Gegebenheiten gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen die Bedürfnisse abklärt.

Danach unterstützt Helvetas etwa die Schulung lokaler Kleinunternehmen im Bau von Wasserversorgungssystemen und informiert betreffend Hygiene. Dabei achtet Helvetas darauf, dass die Latrinen und Sanitäranlagen nachhaltig sind – das heisst, dass sie mit den lokalen Gemeinden geplant und mit Unterstützung der Bevölkerung gebaut und langfristig unterhalten werden. Zudem hat sich das Spektrum von Helvetas verbreitert; so gehören heute Themen wie «Umgang mit Klimaveränderung» oder «Förderung von Arbeitsmarktintegration» dazu. Und wir leisten vermehrt Nothilfe, so etwa derzeit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, die viele arme Menschen existenziell trifft.

Welche Hauptanliegen verfolgt Ihre Organisation?

Unser Hauptziel ist und bleibt, die weltweite Armut zu bekämpfen. Heute sind gegen zwei Milliarden Menschen weltweit von Armut betroffen. Die Corona-Pandemie verschlimmert die Situation dramatisch und wird hunderte Millionen zusätzlich in die Armut treiben, wenn nicht rasch etwas dagegen unternommen wird. Dabei braucht es oft wenig, damit sich die Lebensumstände von armen Menschen in eine positive Richtung ändern. In den letzten fünf Jahren haben über zwei Millionen Personen dank der Unterstützung von Helvetas Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen erhalten. Zudem sorgen lokale Wasserkomitees und gut ausgebildete Behördenvertreter dafür, dass das Wasser auch nach Projektabschluss weiter fliesst und alle davon profitieren. Diese Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen, sind aber Garant für langfristigen, echten Wandel.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Hilfe auch wirklich am vorgesehenen Ziel ankommt?

Dank unserer langjährigen Verankerung in den Ländern wissen wir, wie man effizient und sinnvoll Impulse
zur Entwicklung gibt, sowie zielgerichtet und unbürokratisch Nothilfe leisten kann – zum Beispiel im Zusammenhang mit den drastischen Folgen der Corona-Pandemie für viele ärmste Menschen. Helvetas arbeitet Resultate-orientiert und will aus Erfahrungen lernen.
Darum werden alle Helvetas-Projekte auf Wirksamkeit untersucht und allenfalls angepasst.
Und: Bloss 3,6 % der Mittel werden für Administration verwendet. Wir sehen es als Mehrwert einer internationalen Organisation, administrativ korrekt und transparent zu arbeiten.

Das beinhaltet regelmässige interne und externe Audits und Wirksamkeitsstudien. In manchen Ländern ist der Korruptionsdruck hoch; umso wichtiger ist es, aktiv mit dem Thema umzugehen, und zum Beispiel geschützte Kanäle für Whistleblower zu haben. Unsere Erfahrung zeigt: Betrugsfälle können auftreten, bei einer offenen Kultur werden diese aber rasch aufgedeckt. Neben Kontrollmechanismen ist die transparente Kommunikation wesentlich, das wirkt auch präventiv.

Corona trifft Entwicklungsländer besonders hart. Welche Auswirkungen hat das Virus und die getroffenen Massnahmen auf die Menschen vor Ort?

Zuerst einmal ist es eine Gesundheitskrise. Menschen erkranken, in manchen Ländern sterben viel zu viele. Es fehlt an guten Gesundheitseinrichtungen und professionellem, medizinischem Personal. Zahlreiche Länder haben früh einschneidende Massnahmen ergriffen. So sinnvoll Ausgangssperren, Reisebeschränkungen und die Schliessung von Grenzen, Märkten und Fabriken sind – sie verschärfen die wirtschaftliche Not und den Hunger der Ärmsten. In vielen Ländern übertreffen die negativen Auswirkungen der Pandemie die direkten gesundheitlichen Folgen bei weitem.
Denken Sie nur an all die Kinder, deren Impfungen wegen Corona nicht durchgeführt wurden. Die soziale Not ist bereits heute erschreckend. Millionen haben ihren Job verloren oder können zum Beispiel nicht mehr als Strassenhändlerinnen ihren Tageslohn verdienen. Es fehlt ihnen Geld für die täglichen Lebensmittel. Und eine Perspektive. Deshalb unterstützen wir die Ärmsten mit Lebensmittelpaketen, Saatgut und Beratung.

Inwiefern wurde die Spendensammlung bei Helvetas durch Corona beeinflusst?

Viele unserer Spenderinnen und Spender haben sich solidarisch gezeigt mit den Menschen, die noch ungleich härter von der Pandemie und ihren Folgen betroffen sind als wir – und sie haben zusätzlich für die dringend benötigte Corona-Nothilfe gespendet. Das Vertrauen, das sich in dieser grosse Spendensolidarität ausdrückt, hat mich sehr gefreut und motiviert auch unsere Länderteams enorm.

Wie kann ich ein Projekt unterstützen?

Informationen zu unseren Projekten finden Sie unter www.helvetas.org. Dort kann man auch spenden. Zum Beispiel, damit Familien Zugang zu sauberem Wasser bekommen oder Jugendliche eine Berufsausbildung machen können.

Bei Fragen erreichen Sie uns unter Tel. + 41 44 368 65 00 oder via E-Mail an mail@helvetas.org.
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

Das Interview mit Melchior Lengsfeld, Geschäftsleiter Helvetas, führte Petra Junker.

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